Über das Haus

Geschichte

Entwicklung 1925 bis 2000

Das Gebäude an der Klybeckstrasse 95 wurde 1925 (Architekt Suter & Burckhardt) gebaut und diente bis in die 1990er Jahre als Kirchgemeindehaus St. Matthäus.

Kirchgemeindehaus St. Matthäus
Fotoarchiv Wolf (Bernhard Wolf) Foto von 1926 oder ca. 1926 Kirchgemeinde Matthäus

Kirchgemeindehaus St. Matthäus

Das Kirchgemeindehaus St. Matthäus an der Klybeckstrasse 95 entstand aus einem Bedürfnis der evangelisch-reformierten Quartierarbeit im Kleinbasel. Um 1920 fehlten der Kirchgemeinde geeignete Räume für ihre vielfältigen Aktivitäten. Deshalb gründete sich ein Gemeindehaus-Bauverein, der Liegenschaften an der Klybeckstrasse 95–99 erwarb.

Das 1925 eröffnete Gemeindehaus war von Anfang an mehr als ein kirchliches Verwaltungsgebäude. Es verfügte über eine alkoholfreie Kaffee- und Speisewirtschaft, eine grosse Küche, einen Saal mit Bühne und rund 580 Sitzplätzen, Vereins- und Sitzungszimmer sowie Wohnungen. Damit wurde es zu einem wichtigen Gemeinde-, Versammlungs- und Begegnungsort im Kleinbasel.

Grosser Saal um 1926
Innenhof um 1926

1925–1945: Ein Haus für das Quartier

Das Gemeindehaus diente nicht nur kirchlichen Zwecken, sondern wurde bald auch für öffentliche und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt. So fand bereits 1928 eine Ausstellung der Basler Gehörlosenvereinigung im Gemeindehaus statt. Das Haus entwickelte sich damit zu einem offenen Quartierzentrum, das weit über die Kirchgemeinde hinaus Bedeutung gewann.

1945–1970: Kirchliches und gesellschaftliches Zentrum

Auch in der Nachkriegszeit bot das Gemeindehaus Raum für eine Vielzahl von Aktivitäten: Versammlungen, Unterricht, Vereine und gesellschaftliche Anlässe. Während die Matthäuskirche vor allem dem Gottesdienst diente, ermöglichte das Gemeindehaus die soziale, kulturelle und gemeinschaftliche Arbeit der Kirchgemeinde.

1970–1990: Offen für neue gesellschaftliche Bewegungen

In den 1970er-Jahren wurde das Gemeindehaus zunehmend auch für neue gesellschaftliche Gruppen und Bewegungen zu einem wichtigen Treffpunkt. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die Gründungsversammlungder Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (habs) am 28. März 1974 im Gemeindehaus Matthäus. Damit wurde das Haus auch zu einem Begegnungs- und Schutzraum für gesellschaftlich marginalisierte Gruppen.

Auch in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren blieb das Gemeindehaus vielseitig genutzt. Es bot Raum für Vereine, Unterricht, Bewegung, Sitzungen und grössere Veranstaltungen.

Über rund sieben Jahrzehnte war das Matthäus-Gemeindehaus somit ein multifunktionales Quartierzentrum – kirchlich getragen, aber gesellschaftlich weit über die Kirchgemeinde hinaus wirksam.

Der Wandel ab 1995

Mitte der 1990er-Jahre zeichnete sich ein grundlegender Wandel ab. Die Reformierte Kirche plante, das Gemeindeleben stärker auf die Matthäuskirche zu konzentrieren und sich vom Gemeindehaus zu trennen. 2001 wurde ein neues Nutzungskonzept beschlossen.

Das Gebäude ging anschliessend an die Christoph Merian Stiftung über. Ab 2002 wurde es umgebaut und 2003 als Kultur- und Begegnungszentrum Union neu eröffnet. Damit endete die Geschichte des Hauses als Kirchgemeindehaus – seine ursprüngliche Idee als offener Ort für das Quartier blieb jedoch erhalten.

Grosser Saal vor Umbau 2002
Restaurant vor Umbau 2002

Entwicklung 2000 – 2020

Union – wo Kulturen sich begegnen

Aus dem Basler Stadtbuch Jahr 2003, gekürzter und leicht modifizierter Text
Autor: Felix Christ

«Ghetto und Verslumung im Unteren Kleinbasel», so oder ähnlich lauteten Schlagzeilen etlicher Schweizer Zeitungen Ende der 1990er Jahre. Von einem unhaltbar hohen Prozentsatz ausländischer Bevölkerung, von inakzeptablen Zuständen war die Rede. Zur Jahrtausendwende begann in kirchlichen Kreisen ein Nachdenken über die Situation. Auslöser waren Klagen älterer Menschen, die sich in ihrem Quartier mit den ständig neuen Läden und Geschäften fremd fühlten, die Mühe hatten mit den fremden Stimmen und Sprachen. Angst klang mit. Eine Vision entstand ... Ein Ort, wo sich Menschen aus dem Quartier begegnen, über Aktivitäten kennen lernen. Eine gedeckte Piazza im Herzen des Unteren Kleinbasels; darin eine - wo begegnet man sich ungezwungener? -, ein Festsaal zum Mieten, Räume für Aktivitäten und Gruppen, die integrativ wirken. Ein Ort, der einlädt, wo sich niederschwellig, fast nebenbei, Menschen begegnen, wo Nachbarschaft entsteht durch Gemeinsames. Das Gebäude, genau am richtigen Ort, war vorhanden, das Kirchgemeindehaus St. Matthäus an der Klybeckstrasse 95 wurde frei, da die Quartiergemeinde ihre Aktivitäten in die Matthäuskirche verlagern würde.  

Die Idee für das Projekt «Union» entstand zunächst durch Willi Bach und Felix Christ. Gemeinsam mit weiteren Partnern aus den beiden Kirchen, der Christoph Merian Stiftung und der Migrationsstelle entwickelten sie die Vision weiter. Eine Projektgruppe konkretisierte das Vorhaben, klärte den Bedarf, führte Verhandlungen und erarbeitete die Finanzierung. Mit «Union» wurde ein eingängiger und zugleich zeichenhafter Name für dieses Projekt gefunden.

Ende 2001 wurde zur Abstützung des Projektes Union der Verein «Begegnungszentrum Kleinbasel» gegründet. Dank dem grossen Engagement der Christoph Merian Stiftung wurde die Realisierung des Projektes erst möglich. Sie übernahm den Kauf des Hauses und die Finanzierung der Betriebsplanung und des Umbaus.

Der Umbau, geleitet durch die Architekten Esther Brogli und Daniel Müller, verlieh dem ehemaligen Kirchgemeindehaus ein neues Ambiente. Am 28. November 2003 wurde die Vision Wirklichkeit. Das Union hat die Türen geöffnet - ein in Basel einmaliges Haus, in dem sich Kulturen begegnen.

Denkmalgeschützte Fassade vor Umbau 2003

Fassade nach Umbau 2003

Restaurant 2003

Das Kultur- und Begegnungszentrum Union im Kleinbasel entstand mit dem Ziel, einen offenen, niederschwelligen Ort für Begegnung, Integration und Quartierleben zu schaffen. 2003 nahm das Zentrum seinen Betrieb auf.

2003–2008: Integration und interkulturelle Begegnung

Schwerpunkte waren Migration, Integration, Sprachförderung, Frauen- und Familienarbeit sowie interkultureller Austausch. Kultur, Musik, Tanz, Kulinarik und Bildung wurden genutzt, um Begegnung und gesellschaftlichen Austausch zu fördern.

2008–2019: Breites soziokulturelles Zentrum

Das Angebot weitete sich aus auf Kultur, Bildung, Kinder- und Jugendarbeit, Familien, Freizeit, Kunst, Musik, Tanz, Theater, Ausstellungen und gesellschaftspolitischen Austausch. Gleichzeitig wurde das Union zu einer Plattform für Vereine, Initiativen und selbstorganisierte Gruppen.

Entwicklung ab 2020

Das Konzept des Kultur- und Begegnungszentrums Union hat sich über viele Jahre bewährt. Während der Corona-Pandemie von 2020 bis 2022 musste das Zentrum jedoch wiederholt schliessen und konnte seine wertvollen Angebote zeitweise nicht aufrechterhalten. Gleichzeitig haben sich die Bedürfnisse der Menschen im Quartier und in der Stadt Basel verändert. Auch das Haus selbst ist in die Jahre gekommen und muss erneuert werden.

Diese Entwicklungen wurden zum Anlass genommen, das Gesamtkonzept grundlegend zu überdenken und das Zentrum an die heutigen Bedürfnisse anzupassen.

Nach einem intensiven Initiierungs- und Planungsprozess, konnte am 17. Mai 2025 als ersten Schritt das «neue» Quartierzentrum Union mit frisch gestaltetem Bistro und der Bibliothek Bläsi als Zwischennutzung eröffnet werden.

Restaurant Union vor Umbau

Während Umbau 2025
Während Umbau 2025
Bistro Union nach Umbau 2025
Foto: Martin Zeller

Für den Umbau von Januar bis Mai 2025 wurde mit dem baubüro in situ zusammengearbeitet. Für die Gebäudebesitzerin, die Christoph Merian Stiftung, war entscheidend, dass das Zentrum wieder eine zentrale Rolle im Quartierleben einnimmt und besser sichtbar wird. In Zusammenarbeit mit Denkstatt, baubüro in situ und dem Verein Union entstand eine Nutzung, die Zukunft und Bedürfnisse des Quartiers vereint. Das frühere Restaurant wurde zu einem offenen, hellen Quartierbistro umgestaltet; die dazugehörenden Büros wurden bzw. werden noch ins Erdgeschoss verlegt, Sanitäranlagen erneuert und barrierefrei gemacht. Künstler Kerim Seiler integrierte gemeinsam mit Bewohner:innen charakteristische Elemente in Licht und Vorhängen. Der Grosse Saal dient als Zwischennutzung der GGG-Bibliothek, wofür eine zusätzliche, wieder demontierbare wiederverwendbare Installationsebene eingebaut wurde. Das Projekt folgt einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Vision: Viele Materialien, Möbel und Beleuchtung wurden erhalten, angepasst und wiederverwendet.

Bibliothek Bläsi im Grossen Saal
Foto: Martin Zeller

Nach einem Jahr im Provisorium im Union ist im Frühling 2026 die Bibliothek Bläsi an ihren eigentlichen Standort in ihr neu saniertes Gebäude am Bläsiring 85 zurückgezogen. Diese Zwischennutzung war wertvoll und hat dem Quartierzentrum und dem Haus neue Impulse vermittelt, welche in die nächste Transformationsetappe einfliessen.

Die geplante Gesamtsanierung des Union Haus hat sich aus mehreren Gründen verzögert und somit kann der Grosse Saal im Erdgeschoss vorerst bis Mitte 2027 nochmals im bestehenden Zustand für Anlässe gemietet werden.

Seit Juni 2026 belebt ein Pop-up-Konzept das Bistro Union neu. Dafür konnten zwei engagierte Gastgeber:innen gewonnen werden. Der im Quartier bereits etablierte Mittagstisch «Petite Flambeuse» zog im Union ein. Gründerin Laura Meier führt das Angebot weiter und spannt dabei mit dem Gastronomen und Musiker Amin Alavi zusammen (bisheriger Wirt im Roxy Birsfelden). Während Laura sich dem Mittagstisch widmet, gestaltet Amin das Abendprogramm.

Die nächsten Schritte...

Per Mitte 2027 soll also das gesamte Haus Union renoviert werden. Im Erdgeschoss werden die noch nicht sanierten Räume – inkl. Grosser Saal – umgebaut und auf den technisch neusten Stand gebracht. Nach dieser Bauzeit wird das Quartierzentrum das gesamte Erdgeschoss bespielen. In den oberen Etagen entstehen zeitgemässe und ansprechende Büroräumlichkeiten für soziale Institutionen, welche von der Eigentümerin des Hauses, der Christoph Merian Stiftung, vermietet werden.

Aktuelle Informationen zu diesem Prozess findest du jeweils auf unserer Webseite oder in unserem Newsletter.

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Die Leitung des Quartierzentrums liegt beim Verein Union.  

Verein Union


Die Bewirtschaftung der Gewerbeflächen erfolgt durch die CMS Abteilung Liegenschaften.

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Geplanter Querschnitt nach Sanierung Haus Union